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Schach-Anekdotenhome

Bei einer Innerschweizer Schachmeisterschaft in Hergiswil spielte ich gegen Erwin Schilliger. Nach rund 20. Zügen war alles ein bisschen „verklemmt“ und ich konnte seine Dame mit einem Springer angreifen. Erwin studiert längere Zeit und schüttelte den Kopf, denn seine Dame hatte kein einziges Fluchtfeld mehr. Er hielt mir die Hand hin zur Aufgabe, aber ich sagte ihm: Du kannst ja meine Dame mit dem Springer angreifen, dann hast Du wieder ein Rückzugsfeld. Sofort zog er seine Hand zurück und führe den von mir vorgeschlagene Zug aus. Im 38. Zug musste ich ihm dann die Hand reichen, ich hatte mich „veropfert“ und meine Stellung war reif für eine Aufgabe – er zögerte nicht und schüttelte meine Hand - einen Vorschlag machte er mir nicht ;-)

Innerschweizer Gruppenmeisterschaft Horw – Tribschen; Ich spielte gegen einen tiefer klassierten Spieler und musste die letzte ausstehende Partie auf Gewinn spielen (Spielstand 2:1 für Horw), um als Favoritenmannschaft wenigstens noch einen Punkt zu ergattern. Einige Bauern, Dame und Türme waren noch auf den Brett und jedem Spieler standen noch etwa 10 Mitnuten für die restlichen Züge zur Verfügung. In der hektischen Endphase machte der Gegner einen Zug und bot mir das Remis an. Rund herum ein Raunen der Mannschaftskollegen, denn die meisten (wie ich in der Zwischenzeit auch) haben ein raffiniertes Damenopfer mit erzwungenem Matt gesehen. Ich überlegte mir kurz ob ich das Angebot annehmen soll, führte dann aber den nächsten Zug aus - mit dem Hinweis ich möchte noch ein bisschen weiter spielen. Einige Züge später gewann ich die Partie und alle fragen mich warum ich das Remis (in verlorener Stellung) nicht angenommen hätte. Meine einfache Antwort: Wenn er das Matt gesehen hätte, hätte er sicher nicht „remis“ offeriert, denn ich kannte seinen Ehrgeiz.

Auch gegen Jürgen Strauss musste ich in Luzern am IST spielen. Bei Partiebeginn war von Jürgen weit und breit nichts zu sehen - also ging ich im "Rütli" in eine damals noch vorhandene Telefonkabine und ruf ihn an. Er war wirklich zu Hause und hatte den Termin vergessen - aber er würde sofort kommen. Heutzutage betätigt der Spielleiter die Schach-Uhr, früher machten das die Spieler selbst. Ich verzichtete natürlich auf das in Gang setzen der Uhr, und als es der Tunierleiter bemerkte und die Uhr betätigte waren bereits 20 Minuten verstrichen. Jürgen traf nach etwas mehr als einer Stunde ein und wir begannen die Partie zu spielen. Wer war wohl der Sieger? Ja klar - Jürgen, obwohl er die Partie eigentlich zweimal verloren hatte, erstens durch seine Vergesslichkeit und zweites wegen der Zeitüberschreitung, die ich aber auch nicht reklamiert hätte ;-)

Die Börse ist unter den Schachspieler ein gerne diskutiertes Thema. Im Juni 1997 begegnete ich eines Morgens zufällig Richi in Luzern und er erklärte mir, dass er eben auf der Bank war um einen grösseren Posten Aktien aus Hong Kong zu kaufen. Die bis dahin britische Kron-Kolonie werde am 1. Juli 1997 von der Volksrepublik China übernommen – und dann könnten auch die „reichen“ Chinesen ihr Geld dort anlegen, was zu einem starken Anstieg des Börsenkurses führen würde …
Am Abend diskutierte ich das ausführlich mit meiner Frau, und nach dem „Insider-Tipp“ entschlossen wir uns auch einen Posten gewinnbringend zu investieren. Freudig sahen wir in den ersten Tagen einen starken Anstieg der Kurse, und waren stolz aufs richtige Pferd gesetzt haben. Doch bereits nach wenigen Wochen ging es bergab, und wir verpassen den Ausstieg bis uns unser Bank-Berater anrief und uns überzeugte die Notbremse zu ziehen und das Paket zu rund der Hälfte des Kaufpreises wieder zu veräussern.
Einige Zeit später traf ich Richi im Schachklub und fragte ihn (allwissend?) ob er nun das grosse Geschäft mit der Hong Kong Anlage gemacht hätte. Er bejahte das, und als ich ihn fragte wie das bei der folgenden Asienkrise möglich gewesen sei erläuterte er mir augenzwinkernd: Solche Geschäfte seien immer kurzfristig, er hätte nach 10 Tagen seine Anteile mit hohem Gewinn verkauft. es sei wir im Schach, man müsse immer einige Züge weiter voraussehen als der Gegner ;-)
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